KBU vs. MBU – Betriebsunterbrechungsversicherung im Vergleich
Die Betriebsunterbrechungsversicherung gibt es in drei Varianten: KBU (kleine), MBU (mittlere) und FBU (große oder Feuer-Betriebsunterbrechungsversicherung). Der Unterschied liegt in der Komplexität der Berechnung, der Haftzeit und den Deckungssummen. Wir erklären, welche Variante zu Ihrem Betrieb passt.
Das ist abgesichert
KBU – Kleine Betriebe
Vereinfachte Police als Zusatzbaustein, feste Deckungssumme, Haftzeit bis 12 Monate. Ideal für Kleinbetriebe.
MBU – Mittlere Betriebe
Eigenständige Police mit Rohertragsmethode, Haftzeit 12–24 Monate. Für Betriebe ab 250.000 € Umsatz.
FBU – Große Betriebe
Umfangreiche Police für Industriebetriebe mit Haftzeiten bis 36 Monate und individueller Kalkulation.
Rohertragsmethode
Die Versicherungssumme wird nach dem Jahresrohertrag berechnet – nicht nach dem Umsatz.
KBU und MBU im direkten Vergleich
Der wichtigste Unterschied zwischen KBU und MBU liegt nicht im Namen, sondern in der Berechnungsgrundlage. Die kleine Betriebsunterbrechungsversicherung ist an die Inhaltsversicherung gekoppelt und wird meist als Zusatzbaustein mitverkauft. Die Versicherungssumme ergibt sich dabei häufig als fester Prozentsatz der Versicherungssumme der Inhaltsversicherung, etwa 20 bis 50 Prozent, unabhängig davon, wie hoch der tatsächliche Deckungsbeitrag des Betriebs ausfällt. Das macht die Antragstellung einfach, weil keine eigene betriebswirtschaftliche Kalkulation nötig ist, führt aber dazu, dass die Summe mit dem realen Ausfallrisiko oft wenig zu tun hat.
Die mittlere Betriebsunterbrechungsversicherung ist dagegen eine eigenständige Police. Grundlage ist der Deckungsbeitrag, also der Betrag, der nach Abzug der variablen Kosten vom Umsatz übrig bleibt und der die Fixkosten sowie den Gewinn tragen muss. Dieser Deckungsbeitrag wird auf Basis der Betriebswirtschaftlichen Auswertung oder des Jahresabschlusses individuell ermittelt und mit der gewählten Haftzeit multipliziert. Der Aufwand bei Antragstellung ist höher, dafür bildet die Versicherungssumme das tatsächliche Risiko realistischer ab.
| Merkmal | KBU | MBU |
|---|---|---|
| Kalkulationsbasis | Prozentsatz der Inhaltssumme | Individueller Deckungsbeitrag |
| Antragstellung | Einfach, oft ohne BWA | Aufwendiger, BWA/Jahresabschluss nötig |
| Haftzeit | Meist gedeckelt, oft bis 12 Monate | Frei wählbar, häufig 12 bis 24 Monate |
| Typische Zielgruppe | Kleinbetriebe, geringe Fixkostenlast | Betriebe mit höherem Umsatz und Fixkostenanteil |
| Vertragsform | Zusatzbaustein zur Inhaltsversicherung | Eigenständige Police |
| Genauigkeit der Deckung | Pauschal, kann Lücken aufweisen | An Betrieb angepasst |
Woran sich die richtige Wahl entscheidet
Vier Kriterien sind bei der Entscheidung zwischen KBU und MBU relevant. Erstens die Betriebsgröße: Je höher Umsatz und Mitarbeiterzahl, desto eher übersteigt der reale Ausfallschaden die pauschale KBU-Summe. Zweitens der Fixkostenanteil: Betriebe mit hoher Miete, Leasingraten oder Personalkosten haben im Schadenfall einen höheren monatlichen Bedarf, den eine pauschale Prozentsumme selten trifft. Drittens die realistische Wiederherstellungsdauer, also wie lange es bei einem größeren Schaden tatsächlich dauern würde, bis der Betrieb wieder in vollem Umfang arbeitet. Viertens die Abhängigkeit von Spezialmaschinen oder Sonderanfertigungen, deren Ersatzbeschaffung Monate dauern kann und die Haftzeit entsprechend verlängert.
Ein Betrieb mit kurzer Wiederherstellungsdauer, geringen Fixkosten und einfachem Inventar kommt mit einer KBU oft aus. Sobald Spezialmaschinen mit langen Lieferzeiten, hohe Fixkosten oder ein Umsatz jenseits von etwa 300.000 bis 500.000 Euro im Spiel sind, lohnt sich die genauere Kalkulation über eine MBU in der Regel, weil die pauschale KBU-Summe die Fixkosten und den Deckungsbeitrag über die reale Ausfalldauer nicht mehr abdeckt.
Typische Fehleinschätzung bei der KBU
- KBU wird gewählt, weil sie als Zusatzbaustein günstig erscheint, nicht weil die Deckung geprüft wurde
- Die gedeckelte Haftzeit der KBU reicht bei einem größeren Sachschaden oft nicht bis zur vollständigen Wiederherstellung
- Nach Ablauf der Haftzeit trägt der Betrieb den weiteren Ertragsausfall vollständig selbst
- Die prozentuale Kopplung an die Inhaltssumme wächst nicht automatisch mit steigendem Umsatz oder Fixkosten mit
Praxisbeispiel zur Haftzeitlücke
Werkstattbrand mit gedeckelter KBU-Haftzeit
Ein Handwerksbetrieb mit KBU-Zusatzbaustein und 12 Monaten Haftzeit erleidet einen Brandschaden, der wegen langer Lieferzeiten bei einer Spezialmaschine tatsächlich 16 Monate bis zur vollen Wiederherstellung dauert. Für die letzten vier Monate erhält der Betrieb keine Leistung mehr aus der Betriebsunterbrechungsversicherung, obwohl Fixkosten und entgangener Deckungsbeitrag weiterlaufen.
Kombinierbarkeit und Übergang zwischen den Varianten
KBU und MBU schließen sich nicht grundsätzlich aus, sondern markieren zwei Stufen auf einer Skala steigender Komplexität. Manche Versicherer bieten gestaffelte Produktlinien an, bei denen ein Betrieb mit wachsendem Deckungsbeitrag von der pauschalen KBU-Lösung in eine individuell kalkulierte MBU wechseln kann, ohne den Versicherer zu wechseln. Das erleichtert den Übergang, ersetzt aber nicht die eigene Prüfung, ob die neu vereinbarte Versicherungssumme und Haftzeit tatsächlich zum aktuellen Deckungsbeitrag und zur realistischen Wiederherstellungsdauer passen.
Für Betriebe, die zwischen beiden Varianten unsicher sind, kann eine grobe Faustregel helfen: Lässt sich der jährliche Deckungsbeitrag ohne größeren Aufwand aus der laufenden Buchhaltung ableiten und übersteigt er einen mittleren fünfstelligen Betrag deutlich, spricht das für eine eigenständige MBU-Kalkulation. Bleibt der Betrieb klein und überschaubar, ist die KBU als Zusatzbaustein häufig ausreichend, sofern die gedeckelte Haftzeit realistisch zur eigenen Wiederherstellungsdauer passt.
Häufig unterschätzt: der Wechsel im Wachstum
Viele Betriebe schließen die KBU in der Gründungsphase ab und behalten sie unverändert bei, obwohl Umsatz und Fixkosten in den Folgejahren deutlich steigen. Die pauschale Prozentkopplung an die Inhaltssumme wird dabei selten automatisch nachjustiert. Sinnvoll ist ein regelmäßiger Abgleich, etwa alle zwei bis drei Jahre oder nach größeren Investitionen: Wie hoch wäre der reale Deckungsbeitrag heute, welche Haftzeit würde ein Wiederaufbau realistisch benötigen, und deckt die bestehende KBU-Summe diesen Bedarf noch ab. Ist die Antwort nein, ist der Wechsel zu einer eigenständig kalkulierten MBU meist die konsequentere Lösung, auch wenn die Antragstellung dafür etwas aufwendiger ist.
Ein weiterer Anlass für die Überprüfung ist die Anschaffung neuer Spezialmaschinen oder ein Wechsel der Betriebsstätte. Beide Ereignisse verändern die Wiederherstellungsdauer im Schadenfall oft erheblich, ohne dass sich die pauschale KBU-Summe automatisch anpasst. Wer in eine Anlage investiert, deren Ersatzbeschaffung mehrere Monate dauert, sollte diese Lieferzeit realistisch in die Haftzeitwahl einrechnen, unabhängig davon, ob die bestehende Police als KBU oder MBU geführt wird.
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FAQ: KBU vs. MBU – Welche Betriebsunterbrechung brauche ich?
Die KBU (kleine Betriebsunterbrechungsversicherung) eignet sich für Kleinbetriebe mit bis zu 10 Mitarbeitern, Jahresumsätzen unter 500.000 Euro und überschaubaren Risiken. Sie wird oft als Paket mit der Inhaltsversicherung angeboten und hat vereinfachte Konditionen ohne individuelle Rohertragskalkulation.
Bei der MBU wird der Jahresrohertrag als Basis verwendet. Der Rohertrag ist: Umsatz minus variable Kosten (Wareneinsatz, Fremdleistungen). Dieser wird mit der gewählten Haftzeit multipliziert. Beispiel: 800.000 € Umsatz, 60% Rohertrag = 480.000 € Jahresrohertrag. Bei 12 Monaten Haftzeit: Versicherungssumme = 480.000 €.