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Betriebsunterbrechungsversicherung – Ertragsausfall absichern
Steht Ihr Betrieb infolge eines Brandes, Wasserschadens oder Maschinenausfalls still, laufen Miete, Löhne und alle weiteren Fixkosten ungebremst weiter – obwohl der Rohertrag vollständig ausbleibt. Die Betriebsunterbrechungsversicherung (auch: Ertragsausfallversicherung) schließt genau diese Lücke: Sie erstattet den entgangenen Rohertrag sowie die fortlaufenden Fixkosten für die gesamte Haftzeit und sichert so die Liquidität Ihres Unternehmens während Wiederherstellungszeit und Betriebsstillstand.
Was leistet die Betriebsunterbrechungsversicherung?
Die BU-Versicherung deckt drei Kostenblöcke:
Entgangener Rohertrag
Der Umsatz, den Sie während der Ausfallzeit nicht erwirtschaften können, abzüglich der variablen Kosten (Wareneinsatz, Fremdleistungen). Der Rohertrag wird für die gesamte Haftzeit bis zum Maximum der Versicherungssumme erstattet.
Laufende Fixkosten
Während der Betrieb stillsteht, laufen Miete, Leasing, Personalkosten und andere Fixkosten weiter. Die BU-Versicherung übernimmt diese Kosten, damit Sie nach der Schadensbeseitigung nahtlos weitermachen können.
Mehrkosten für schnellere Wiederherstellung
Wenn durch Sondermaßnahmen (Überstunden, Notproduktion, externe Dienstleister) die Ausfallzeit verkürzt werden kann, übernimmt die Versicherung diese Mehrkosten bis zu einer vereinbarten Höhe.
KBU, MBU oder FBU – welche BU-Versicherung passt?
KBU
- Add-on zur Inhaltsversicherung
- Vereinfachte Kalkulation
- Haftzeit bis 12 Monate
- Feste Deckungssumme
- Ideal für Selbständige & Kleinbetriebe
MBU
- Eigenständige Police
- Rohertragsmethode
- Haftzeit 12–24 Monate
- Individuelle Versicherungssumme
- Für Betriebe ab 250.000 € Umsatz
FBU
- Umfangreiche individuelle Police
- Haftzeit bis 36 Monate
- Komplexe Risikokalkulation
- Für Produktionsbetriebe
- Optional: Maschinenschäden
Versicherungssumme richtig berechnen – Rohertrag als Grundlage
Die häufigste und teuerste Fehlerquelle bei der Betriebsunterbrechungsversicherung ist eine falsch angesetzte Versicherungssumme. Wer zu niedrig kalkuliert, riskiert im Schadensfall eine Unterversicherung – und erhält dann nur einen Bruchteil des tatsächlichen Ertragsausfalls erstattet.
Jahresumsatz ermitteln
Ausgangspunkt ist der Nettojahresumsatz des zuletzt abgeschlossenen Geschäftsjahres. Bei starken Umsatzschwankungen empfiehlt sich der Durchschnitt der letzten zwei bis drei Jahre.
Variable Kosten abziehen – Rohertrag bestimmen
Vom Umsatz werden die variablen Kosten subtrahiert: Wareneinsatz, Materialverbrauch, variable Energiekosten und Fremdleistungen. Das Ergebnis ist der Rohertrag – die Basis der Versicherungssumme bei MBU und FBU.
Rohertrag = Jahresumsatz − Wareneinsatz − variable Kosten
Haftzeit einbeziehen
Bei einer Haftzeit von 12 Monaten entspricht die Versicherungssumme dem Jahresrohertrag. Wird eine 24-monatige Haftzeit vereinbart, verdoppelt sich die benötigte Versicherungssumme entsprechend. Viele Versicherer empfehlen einen Vorsorgezuschlag von 10 % für zu erwartende Umsatzsteigerungen.
Nachhaftungsklausel prüfen
Policen mit Nachhaftung erstatten Schäden, die bis zu 30 % über die vereinbarte Versicherungssumme hinausgehen, ohne sofortige Prämienanpassung. Diese Klausel schützt vor Unterversicherung bei unerwartet langen Wiederherstellungszeiten.
Rechenbeispiel: Metallverarbeitungsbetrieb
| Jahresumsatz | 2.000.000 € |
| Wareneinsatz & variable Kosten (55 %) | − 1.100.000 € |
| Jahresrohertrag | 900.000 € |
| Vorsorgezuschlag (10 %) | + 90.000 € |
| Empfohlene Versicherungssumme (12 Monate) | 990.000 € |
Erweiterter Schutz durch Zusatzbausteine
Die Standardpolice deckt Ertragsausfälle infolge klassischer Sachschäden ab. Viele Betriebe sind jedoch auf Absicherungen angewiesen, die weit über Feuer, Wasser und Sturm hinausgehen. Die folgenden Zusatzbausteine schliessen die häufigsten Deckungslücken.
Rückwirkungsschaden durch Zulieferer
Fällt ein wichtiger Lieferant infolge eines Sachschadens aus, kann auch Ihr Betrieb stillstehen – ohne dass Sie selbst betroffen sind. Dieser Zuliefererrückwirkungsschaden ist in der MBU und FBU optional absicherbar, in der KBU jedoch nicht enthalten.
All-Risk-Deckung
Statt einzelner Gefahren werden alle Ursachen eines Betriebsstillstands versichert, sofern sie nicht explizit ausgeschlossen sind. Diese Klausel ist typisch für die MBU und FBU und bietet maximale Sicherheit gegen unvorhergesehene Schadensereignisse.
Elektronik- & Cyber-Betriebsunterbrechung
Cyberangriffe waren laut Allianz Risk Barometer 2023 das häufigste Geschäftsrisiko in Deutschland. Eine Elektronik-Betriebsunterbrechungsversicherung erstattet Ertragsausfälle nach IT-Ausfällen oder Cyberattacken – unabhängig von einem physischen Sachschaden.
Schadensminderungskosten (Mehrkosten)
Kosten für Überstunden, Sonderschichten, Anmietung von Ersatzräumen oder Fremdproduktion zur Verkürzung der Wiederherstellungszeit werden erstattet. Dieser Baustein ist in der MBU in der Regel inkludiert und in der KBU optional zubuchbar.
Betriebsschliessungsversicherung
Ergänzt die BU-Versicherung um behördlich angeordnete Schliessungen nach dem Infektionsschutzgesetz. Besonders relevant für Gastronomie, Lebensmittelhandel und Pflegebetriebe – und ein wichtiger Baustein seit der Corona-Pandemie.
Verlängerte Haftzeit (18–36 Monate)
Komplexe Industrieschäden erfordern oft mehr als 12 Monate Wiederaufbauzeit. Eine verlängerte Haftzeit stellt sicher, dass die Versicherungsleistung nicht endet, bevor der Betrieb wieder voll funktionsfähig ist. Besonders wichtig bei Produktionsbetrieben mit langen Lieferzeiten für Spezialmaschinen.
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Häufige Fragen zur Betriebsunterbrechungsversicherung
Die Betriebsunterbrechungsversicherung (auch: Ertragsausfallversicherung) sichert den entgangenen Rohertrag und die Fixkosten ab, wenn ein Betrieb infolge eines Sachschadens stillsteht. Sie greift, wenn ein versicherter Schaden (Brand, Einbruch, Wasserschaden) den Betrieb zum Stillstand bringt – und deckt den finanziellen Ausfall während der Wiederherstellungszeit.
Die BU-Versicherung greift bei: Feuer (Brand, Blitzschlag, Explosion), Einbruchdiebstahl, Leitungswasserschäden, Sturm und Hagel, Maschinenbruch (optional). Wichtig: Die Betriebsunterbrechungsversicherung ist immer an einen Sachschaden gekoppelt – ein reiner Umsatzrückgang ohne Sachschaden ist nicht gedeckt.
KBU (kleine Betriebsunterbrechungsversicherung): Vereinfachte Police für Kleinbetriebe, als Add-on zur Inhaltsversicherung, feste Deckungssumme, kurze Haftzeit bis 12 Monate. MBU (mittlere): Eigenständige Police mit Rohertragsmethode, Haftzeit 12–24 Monate. FBU: Umfangreiche Police für Industriebetriebe mit Haftzeiten bis 36 Monate.
Abgedeckt wird der entgangene Rohertrag (Umsatz minus variable Kosten) für die Dauer der Ausfallzeit bis zur vereinbarten Haftzeit. Dazu kommen laufende Personalkosten (Lohnfortzahlung), Miete und andere Fixkosten sowie Mehrkosten für beschleunigte Wiederherstellung.
Grundlage ist der Jahresrohertrag: Umsatz minus variable Kosten (Wareneinsatz, Fremdleistungen, variable Energiekosten). Dieser wird mit der gewählten Haftzeit multipliziert. Beispiel: 1 Mio. € Umsatz, 40% Rohertragsmarge = 400.000 € Jahresrohertrag. Bei 12 Monaten Haftzeit: 400.000 € Versicherungssumme.
Die Haftzeit ist die maximale Dauer, für die die Versicherung Leistungen erbringt. Übliche Optionen: 6 Monate (KBU), 12 Monate (Standard), 18 oder 24 Monate (empfohlen für größere Betriebe). Faustregel: Wie lange würde ein vollständiger Neuaufbau nach einem Totalschaden dauern? Für ein komplexes Produktionsgebäude können das 18–24 Monate sein.
Beide Begriffe bezeichnen im Kern dasselbe Produkt: eine Versicherung, die entgangene Gewinne und fortlaufende Fixkosten bei einem versicherungsbedingten Betriebsstillstand erstattet. Produzierende und landwirtschaftliche Unternehmen kennen das Produkt häufig unter dem Begriff Ertragsausfallversicherung, Handel und Gewerbe eher als Betriebsunterbrechungsversicherung. Manche Versicherer nutzen die Begriffe synonym, andere unterscheiden nach Deckungsumfang. Entscheidend sind stets die konkreten Versicherungsbedingungen.
Die meisten Policen sehen keine Karenzzeit vor – die Versicherung leistet ab dem ersten Tag der versicherten Betriebsunterbrechung. Einige Tarife vereinbaren eine kurze Vorbereitungszeit (häufig 3 bis 7 Tage), in der keine Leistung erbracht wird. Die tatsächliche Dauer bis zur Auszahlung hängt von der Schadensregulierung ab: Einfache Fälle werden innerhalb weniger Wochen abgewickelt; bei komplexen Industrieschäden kann sich die vollständige Regulierung über die gesamte Wiederherstellungszeit erstrecken.
Die Feuer-Betriebsunterbrechungsversicherung (Feuer BU oder FBU) ist die klassische Großform der Betriebsunterbrechungsversicherung für Industriebetriebe. Sie deckt Ertragsausfälle infolge von Feuer, Blitzschlag, Explosion und – in der Extended-Coverage-Variante – auch Sturm, Hagel, Leitungswasser und weitere Gefahren ab. Die Versicherungssumme wird auf Basis des Rohertrags des Vorjahres berechnet. Dank der Prämienregulierung zahlt der Versicherungsnehmer am Jahresende nur für den tatsächlich erzielten Rohertrag.